Internationale Gewässer


Die Mitte der sechziger Jahre war das Eldorado der Seesender, hauptsächlich um England herum, aber auch vor der holländischen Küste. Die Stationen spielten Popmusik, finanzierten sich durch Werbung, in etwa der Vorläufer des heutigen Dudelfunks auf UKW. Werbefinanzierter privater Rundfunk war damals noch nicht erlaubt, und so wurde halt von mehr oder weniger alten, rostigen Pötten außerhalb der Dreimeilenzone gesendet. England machte dem Spuk 1967 ein Ende, in dem der "Marine Broadcasting Offences Act" beschlossen wurde. Darin war festgelegt, daß Firmen, die über diese Sender Werbung trieben, bestraft würden, die Versorgung der Schiffe mit Lebensmitteln, Treibstoff etc. wurde unterbunden und es war englischen Staatsbürgern nicht gestattet, auf diesen Schiffen zu arbeiten. Damit war der Lebensnerv gekappt, fast alle Piratenstationen gaben auf. Da ich zu der Zeit noch nicht DXer war, fehlen mir auch QSL-Karten aus dieser Zeit.

Vor der holländischen Küste sendete Radio Veronica auf 1562 kHz mit 10 kW vom Motorschiff "Norderney". Die Station war in den Niederlanden ungeheuer populär.


R. Veronica, Front 


Veronica, Rear



Radio Nordsee International sendete vom Schiff "Mebo 2". "Mebo" war das Akronym der beiden Eigentümer, den schweizer Geschäftsleuten Erwin Meister und Edwin Bollier aus Zürich. RNI war der stärkste aller je operierenden Seesender, ein 100 kW Mittelwellensender, zwei Kurzwellensender mit je 10 kW und ein UKW-Sender mit 1 kW an Bord. Gesendet wurde in Holländisch und Englisch, zu Beginn der Aktivitäten im Jahr 1971 gab es auch Sendungen in Deutsch. 1974 gab RNI auf, das Schiff wurde nach Libyen verkauft. 1978 gab es dann aus Tripolis kurzzeitig Sendungen auf 6205 kHz. Kurz darauf wurde die Mebo 2 in einem libyschen Seemanöver als Ziel benutzt und im Mittelmeer versenkt.

RNI Front

RNI rear



Radio Atlantis sendete tagsüber auf 962 kHz.

R. Atlantis, front


R. Atlantis, rear



Neben den Pop-Piraten gab es auch andere Seesender, wie z.B. Radio Brod, eine Station, die sich für die freie Meinungsäußerung in Ex-Jugoslawien stark machte. Und das Hospitaalkerkship "De Hoop". Dabei handelte es sich um ein Hospitalschiff, das mit der holländischen Fischereiflotte ausfuhr, und verletzte oder kranke Fischer medizinisch versorgte. Außerdem wurden die Schiffssender an Sonn- und Feiertagen im 120m-Band genutzt, um Gottesdienste für die Fischer auszustrahlen.

De Hoop, Front


De Hoop, Rear



Hier noch eine Station, die unter der Rubrik "Hobbypiraten" einzuordnen ist. Eigentlich wollte man wohl zu Ostern 1998 von Bord eines angemieteten Schiffes senden, aber erst 1999 war es soweit. Trotzdem wurde der Name "Offshore 98" beibehalten. Ob tatsächlich von einem Schiff gesendet wurde? Keine Ahnung, aber wenn nicht, dann war es wenigstens eine nette Legende.

Offshore 98, Front


Offshore 98, Rear



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