USA

Zu den Urgesteinen der amerikanischen Radiogeschichte gehört die Station 700 WLW aus Cincinnati in Ohio. Heute wird auf  700 kHz mit 50 kW gearbeitet, Anfang der vierziger Jahre hatte WLW eine Ausnahmelizenz von der sonst maximalen Sendeleistung von 50 kW in Nordamerika und fuhr Testsendungen mit 500 kW, einer für die damalige Zeit unglaublichen Sendeleistung. In England brauchte die BBC dringend einen Hochleistungssender für Sendungen Richtung Deutschland, und so wurde der WLW-Sender nach Orfordness in England verschifft. Unter dem Codewort "Aspidistra" ging dieser Sender in die Rundfunkgeschichte ein.

Bei gelegentlichen Außenübertragungen ist es notwendig, die Sendungen zwischen Außenstudio und Zentrale zu synchronisieren, und für diese Regieanweisungen werden in den USA von manchen Stationen Narrowband-FM-Sender mit Sendeleistungen um die 100 Watt auf 26 MHz eingesetzt. Bei guten Bedingungen sind diese Sender auch in Deutschland hörbar, diese QSL von WLW ist für den 75-Watt-Feeder auf 26450 kHz.
 



WLW




In den Vierziger Jahren betrieb WLW auch drei starke Kurzwellensender zu je 175 kW. Damit konnte die ganze Welt erreicht werden. Aufgebaut waren die Sender der Firma Crosley, der auch WLW gehörte, in Bethany in Ohio, Rufzeichen waren WLWL, WLWR und WLWS. Wie heute auch, zeigte sich bereits damals, daß werbefinanzierte Kurzwellensender nicht profitabel zu betreiben sind, Bethany fuhr Verluste ein. Da traf es sich gut, daß die amerikanische Regierung einen Auslandsdienst gründete, um das kriegführende Europa zu erreichen. Da man keine eigenen Sender hatte, kaufte man WLW die Sender in Bethany ab, fortan wurde von dort unter dem Namen "Voice of America" gesendet. Die alten Crosley-Sender wurden im Lauf der Zeit durch 250 kW-Collins und BBC-Sender ersetzt, im November 1994 kam das endgültige Aus für Bethany. Die Station wurde nicht mehr benötigt, abgeschaltet und eingeebnet. Abgebildet ist die QSL für eine Sondersendung anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums 1992.


VOA Bethany




Zum "International Fair", der Weltausstellung im Jahre 1939 in San Francisco, errichtete General Electric einen 250 kW Kurzwellensender als Schaustück amerikanischer Ingenieurskunst. Die Buchstaben GEI  des Rufzeichens KGEI standen für "General Electric International". Zunächst wurden Programme diverser NBC-Stationen übertragen, nach Pearl Harbour Sendungen für die Truppen im Pazifik. Nach dem Krieg brauchte die US-Regierung die Station nicht länger, die amerikanische Missionsgesellschaft FEBC übernahm die Station und versorgte von San Francisco aus Südamerika mit Missionsprogrammen in Spanisch. Anfang oder Mitte der 90iger Jahre wurde der Sender abgeschaltet.

Es gab tatsächlich Pläne, das inzwischen uralte Schätzchen nach Liberia zu verfrachten und von dort Missionssendungen auszustrahlen. Wie man für die Antiquität Ersatzteile zu besorgen gedachte, ist mir unklar. Es kam aber nicht mehr zu einer  Inbetriebnahme, der Sender wurde während des liberianischen Bürgerkriegs demoliert.

Die KGEI-QSL blieb über viele Jahre unverändert und zeigt mit der Golden Gate Bridge und der Cable Car zwei weltberühmte Wahrzeichen San Franciscos.


KGEI




Bis 1982 gab es in den USA nur drei private Kurzwellenstationen, KGEI, WYFR und WINB, allesamt Missionsstationen. Dann betrat mit Joe Costello aus New Orleans ein wagemutiger Pionier die Szene, der in langen juristischen Auseinandersetzungen eine Lizenz für Kurzwellensendungen errang. Er betrieb bereits eine UKW-Station in New Orleans, deren Call WRNO stand für "Rock of New Orleans".  Und WRNO hieß auch der Kurzwellensender, der abends auf 15420 kHz  in Europa hörbar war. Besonders gut war der Empfang nie, und so blieb WRNO trotz eines klasse Musikprogramms ein finanzieller Flop. Nach dem Tode Costellos1997 ging es mit WRNO immer weiter bergab, die Station wurde verkauft und bekam bei der Überflutung der Stadt den Rest

Costello hat trotzdem eine Lawine ins Rollen gebracht, inzwischen gibt es über 20 private Kurzwellenstationen in den USA. Leider ist deren Programm fast ausschließlich religiöser Natur, und nicht zu vergleichen mit den alten Stationen wie WRNO, KUSW oder Superrock KYOI von den Marianen.


WRNO 


Inzwischen wurde WRNO wieder aufgebaut, und ganz langsam wird der Betrieb als religiöse Station auf 7505 und 15590 kHz wieder hochgefahren. Hier die QSL vom August 2008:



WRNO neu




Und noch ein trauriges Beispiel, daß sich mit Kurzwellensendungen kein Geld verdienen läßt: KUSW aus Utah. Auch ein gutes Musikformat wie WRNO, besser als WRNO in Europa hörbar, kommerziell aber dennoch gefloppt. Die kurze Lebensdauer betrug nur gut zwei Jahre, von Oktober 88 bis Dezember 1990. Dann wurde die Sendeanlage an den "Trinity Broadcasting Network", einen Missionsanbieter verkauft und das Rufzeichen in KTBN umbenannt. Auch KTBN ist mit dem Kurzwellensender nicht glücklich geworden und will ihn abschalten oder hat dies schon getan. Trotzdem schön die QSL-Karte von KUSW:


KUSW





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