
"Die Geschichte der Automaten"

Begeben wir uns also ins Thema "Automaten": Seit wann gibt es
solche "Maschinen, die durch verborgene Kräfte in Bewegung
gesetzt, außergewöhnliche Bewegungen zeigen, (Zitat aus der
Real-Encyclopädie für das Katholische Deutschland, 1846) ?

Es soll bereits lange vor Christus der Begriff "Automat"
aufgetaucht sein. Aristoteles hat in schriftlichen Überlieferungen
bereits um 350 vor Christus eine "automatische Venus" erwähnt
- was immer er damit auch gemeint haben mag. Konkret weiß man erst
von Heron von Alexandria, daß dieser etwa 100 nach Christus einen
Automaten entwickelt hat, der nach Einwurf einer Münze (!) geweihtes
Wasser spendete.

Eine Hochburg der Automatenherstellung war Bayern, wo um 1600 kunstvolle
Automaten gebaut wurden, z. B. ein Segelschiff mit beweglichen Teilen und
einem Orgelwerk (Deutsches Museum). Über die Jahrhunderte hinweg
waren die mechanischen Musikinstrumente ("Automatophone") immer
mehr verfeinert worden. Berühmte Komponisten wie Händel,
Beethoven und Bach komponierten speziell für diese Automaten Musiken.
Mozart schrieb u.a. ein "Orgelstück für Uhr und Walze".
Diese Musikwerke wurden durch sogenannte Stiftwalzen angetrieben, ein
Prinzip, das 1796 erfunden wurde. Ab 1830 entstanden die Orchestrions, die
vielleicht manch einer noch von den Rummelplätzen her kennt. Alle
damaligen Automaten waren kostbare Einzelanfertigungen. Das änderte
sich schlagartig 1888, als Max Sielaff vom "Kaiserlichen Patentamt"
die Patentschrift für einen "Selbsttätigen Verkaufsapparat"
erhielt. Es gab zwar schon vorher ähnliche Patente, aber erst hier
funktionierte erstmals der Münzprüfer.

Damit wurde eine Lawine ausgelöst. Technische Neuheiten, Waren und
Unterhaltungsspiele wurden durch Einwurf einer Münze nun breiten Bevölkerungsschichten
zugänglich gemacht. Innerhalb kürzester Zeit standen die
Automaten im ganzen Reich.
Lange vor Kino oder Fernsehen vermittelte der Anschütz-Schnellseher
(eine stroboskopische Scheibe mit elektrischem Antrieb) das Gefühl
von Bewegungsabläufen. Allerdings war hier der Antrieb ein Problem,
denn der elektrische Strom steckte noch in den Kinderschuhen.
Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde dem normalen
Arbeiter, der sich meist keine Zeitung leisten konnte, Aktuelles per
Automat zugänglich gemacht. "Stereoskope" boten dem
Benutzer dreidimensionale Abbildungen, wie die Eröffnung des
Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute: Nord-Ostsee-Kanal) im Jahre 1895 oder Flüge
des ersten Zeppelins im Jahre 1900. Geboten wurden aber auch Darstellungen
aus der heiligen Schrift und erotische Bilder.
Im Zusammenhang mit Bildern sollte man auch sagen, daß die ersten
Fotoautomaten bereits 1894 installiert waren - vier Minuten dauerte es,
bis das fertige Bild den Benutzer in Erstaunen versetzte.

Sehr beliebt waren auch damals schon die Unterhaltungsautomaten, damals
Tivoli-Geräte genannt. Ein Beispiel war der legendäre "Bajazzo",
bei dem man mit einem Hut Spielkugeln auffangen mußte, ein Gerät,
das nahezu 30 Jahre seine Spitzenposition beibehielt.
Ein anderes Beispiel, heute nahezu in Vergessenheit geraten, war der
Elektrisierapparat, bei dem man solange am Apparat drehen mußte, bis
man die dadurch stärker werdende Stromstärke nicht mehr
aushielt. Damals hatten auch die heute noch auf Jahrmärkten
vertretenen Kraftmesser ihren Ursprung.
Einen Rückschritt in der Automatenentwicklung bedeutete natürlich
der erste Weltkrieg, aber auch die Nazi-Herrscher schlugen erbarmungslos
zu. So wurden z.B. die Horoskop- und Wahrsageautomaten wegen "Nährung
des Aberglaubens im Deutschen Volke" verboten.


Dafür begann nach dem zweiten Weltkrieg ein Boom, der heute unser tägliches
Leben bestimmt. Automaten in der heutigen Form, ob Fahrschein- oder
Geldwechsel-, Getränke- oder Kaffee-, Kaugummi- oder
Schuhputzautomat, alle haben in der Nachkriegszeit ihren Ursprung. Auch
Geldspielgeräte kamen damals wieder auf, vor allem nach der neuen
Spielverordnung von 1953, die (bei den Beträgen der Inflation angepaßt)
heute noch gültig ist.
Die ersten Automaten nach dem Krieg waren die Musik-Boxen, die mit den
GI's den Atlantik überquerten (und die mir die Möglichkeit
geben, elegant wieder die Kurve zum eigentlichen Thema zu kriegen).
Im nächsten Teil der Story wird es noch einmal sehr geschichtlich
und ich beleuchte den Weg der Automaten-Entwicklung hin zur Musicbox.
Abbildungsverzeichnis
| Abb. 1 | Stollwerck | ca. 1890 | mehr infos !!! |
| Abb. 2 | Schweizer Stumpen | ca. 1930 | mehr infos !!! |
| Abb. 3 | Orchestrion | 1851 | keine weiteren Infos |
| Abb. 4 | Anschütz Schnellseher | 1892 - 1895 | mehr infos !!! |
| Abb. 5 | Bajazzo | 1906 | mehr infos !!! |
| Abb. 6 | Parkuhr | 1956 | mehr infos !!! |
| Abb. 7 | Nuss-Glocke | ca. 1953 | mehr infos !!! |