"Die Geschichte der Automaten"




Abb. 4 - Anschütz Schnellseher
OttomarAnschütz (1846-1907) gelang es mit diesem Apparat, die von ihm seit 1882 im Anschluß an die Reihenaufnahmen von Etienne Jules Marey und Edward Muybridge durchgeführten Momentaufnahmen einzelner Handlungsabläufe wieder in Bewegung umzusetzen.

Anschütz hatte zunächst Versuche mit der »Laterna magica« (Stroboskop) unternommen, in der die Reihenbilder auf der Innenwand einer drehbaren Trommel umlaufend angebracht sind und durch Sehschlitze zwischen jedem Bild bei der Rotation der Eindruck eines Bewegungsablaufes entsteht.

1887 entwickelte Anschütz das »Elektrotachyskop«, bei dem die Phasenbilder als Diapositive kreisförmig auf einer aufrecht stehenden, rotierenden Bildscheibe angebracht und durch einen Sehschlitz zu betrachten sind. Das zunächst mit einer Handkurbel zu bedienende Gerät wurde im gleichen Jahr im Preußischen Kultusministerium in Berlin erstmals vorgeführt.

Auf der »Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung« in Frankfurt am Main 1891 erregte der nun durch einen Münzeinwurf zu bedienende »Schnellseher« allgemeines Aufsehen.

1892 wurde er in Wien und London gezeigt und war 1893 noch vor Edisons »Kinetoscope« auf der Weltausstellung in Chicago zu sehen. Nachdem die Deutsche Automaten-Gesellschaft Stollwerck & Co. in Köln die Serienproduktion abgelehnt hatte, übernahmen Siemens & Halske in Berlin zwischen 1892 und 1895 die Herstellung des Apparates, von dem insgesamt etwa 100 Stück gebaut wurden, davon 78 Apparate in Schrankform mit Geldeinwurf und eine kleinere Zahl in abgewandelter Sonderausführung für den Hausgebrauch.

Für die große Attraktion, die dieser Apparat ausübte, sprechen die Betrachterzahlen, die im Juni (16.618) und Juli (17.271) 1892 im Berliner Ausstellungspark aufgrund der eingeworfenen Münzen gezählt wurden.

Trotz der Weiterentwicklung in einen Projektionsapparat (1894), der die Vorführung der Reihenbilder vor einem großen Publikum ermöglichte, geriet der »Schnellseher« bald in Vergessenheit, nachdem 1895 durch die erste echte kinematographische Projektion mit dem »Cinematographe« der Brüder Lumiere die Ära des Films begründet worden war.


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